Zur Sache Selbstüberschätzung: der Dunning-Kruger-Effekt


 

Alles was man im Leben braucht ist Ignoranz und Selbstvertrauen.

 

Mark Twain



McArthur Wheeler tauchte seine Hände tief in die Schale mit dem Zitronensaft. Dann begann er, die Flüssigkeit sorgfältig auf seinem Gesicht zu verteilen. Es brannte ein wenig. Aber das machte nichts. Sorgfältig achtete er darauf ja keine Gesichtspartie auszulassen. Danach waren die Ohren dran. Dann der Hals. Wheeler zuckte leicht zusammen, denn er hatte sich an diesem Morgen frisch rasiert und die Säure fraß sich brennend in seine Haut.

 

Als er sicher war, ausreichend Zitronensaft aufgetragen zu haben, wusch sich Wheeler die Hände. Er warf seine Jacke über und verließ das Haus. Als er am frühen Abend zurückkehrte, hatte er zwei Banken ausgeraubt.

 

Kurz nach den Spätnachrichten um 22 Uhr klingelte es an seiner Tür. Als er öffnete legten ihm zwei Polizisten sofort Handschellen an, während ein dritter ihm seine Rechte vorlas. Doch das bekam Wheeler kaum mit. Konsterniert fragte der gefasste Bankräuber einen der Beamten: Wie seid ihr nur so schnell auf mich gekommen?

 

Denn McArthur Wheeler war felsenfest überzeugt, das perfekte Verbrechen begangen zu haben. Als Kind war er fasziniert von der sogenannten Zaubertinte. Dabei handelte es sich zwar lediglich um Zitronensaft den man auf ein Blatt Papier auftrug, aber der Effekt war magisch. Denn die Tinte blieb unsichtbar bis man sie erhitzte. Diesen Effekt wollte Wheeler für den Bankraub nutzen. Er war sich hundertprozentig sicher, dass der Zitronensaft sein Gesicht unsichtbar machte. Eine tragische Fehleinschätzung. Die Kameras in den Bankfilialen hatten die Überfälle aufgezeichnet. Die Polizei entschloss sich, die Aufnahmen in den Spätnachrichten zu senden. Ein Nachbar erkannte ihn auf der Stelle. Er alamierte die Cops. Und der Rest ist Geschichte.

 

Und zwar eine wahre Geschichte, die sich 1994 in Pittsburgh zutrug. Die Geschehnisse inspirierten die beiden Psychologen David Dunning und Justin Kruger 1999 zu einem Experiment. Sie wollten herausfinden, wie hoch Studenten ihre eigene Intelligenz einschätzten. Die beiden Forscher führten dazu einige Tests an der Cornell Universität durch. Mal ging es um logisches Denken, mal um Grammatik.

 

Als sich die Wissenschaftler an die Auswertung der Ergebnisse machen, kristallisierte sich ein auffälliges Muster heraus, das später als der Dunning-Kruger-Effekt bekannt wurde. Studenten, die besonders schlecht abschnitten, schätzten ihre Leistungen unverhältnismäßig gut ein. Dagegen unterschätzten sehr viel bessere Hochschüler ihre Kompetenz signifikant.

Ihre Ergebnisse fassten Dunning und Kruger in der folgenden Formel zusammen:

 

Inkompetente Menschen überschätzen ihr Können.

Sie erkennen dabei aber nicht das Ausmaß ihrer Inkompetenz.

Daher können sie ihre eigenen Kompetenz nicht verbessern.

Und sie unterschätzen außerdem die überlegenen Fähigkeiten von anderen.

 

Je weniger Kompetenz Menschen bei der Bewältigung bestimmter Aufgaben besitzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Kompetenz überschätzen. Unwissenheit, das sagte schon Charles Darwin, führt zu mehr Selbstvertrauen als Wissen.

 

Wir kennen das Phänomen von ignoranten DSDS Heulbojen oder den beratungsresistenten Dschungel- und Containerbewohnern aus der tristen Welt der Doppel-D-Promis. Und natürlich fällt uns sofort der nervtötend penible Kollege im Büro ein, der alles, aber wirklich ALLES besser weiß. Aber, nun ja, vielleicht fehlt uns einfach die Kompetenz, seine Brillanz zu erkennen ...

 

Bis zum nächsten Mal im Menschenticker. Bleiben Sie Mensch!



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